Der Bombenkrieg im zweiten Weltkrieg forderte auch in Sprendlingen seine Opfer. Einem Bericht von Arno Baumbusch ist zu entnehmen, dass durch den Abwurf von ca. 200 Sprengbomben und Luftminen sowie vielen Phosphorkanistern und Tausenden von Stabbrandbomben auf die Sprendlinger Gemarkung bei damals 7000 Einwohnern 9 Personen umkamen, 25 Gebäude wurden total zerstört und 78 schwer beschädigt. Nicht nur Bomben, sondern auch die Splitter von Flakgranaten richteten Schäden an. Während des Krieges gab es in Sprendlingen Flakstellungen, wie der Bericht Flakstellungen in Sprendlingen auf dieser Website belegt.

Die Nazi-Führung hat das Volk schon früh mit dem Luftschutzgedanken vertraut gemacht. Bereits vor dem Krieg wurden regelmäßig Luftschutzübungen durchgeführt. Links ist ein Foto von einer Luftschutzübung in der Zahnfabrik während des Krieges abgebildet. In den größeren Städten wurden für die Einwohner Luftschutzbunker erbaut. Außerhalb dieser Ballungszentren wurde die Bevölkerung aufgefordert, ihre Hauskeller als Luftschutzräume zu ertüchtigen. Noch bis vor wenigen Jahren konnte man auch in Sprendlingen an Hauswänden einen weißen Pfeil mit der Buchstabenkombination "LSR" (für Luftschutzraum) sehen. Vor allem bei kriegswichtigen Unternehmen wurden mehr oder weniger große Bunker erbaut, die im Falle eines drohenden Luftangriffes den dort Beschäftigten Schutz boten. Auch Privatleuten gelang es, trotz Knappheit an Stahl und Beton, für ihre Familie und ggf. auch für Nachbarfamilien zu Beginn der schweren Luftangriffe  im Jahr 1941 kleinere Bunkeranlagen zu erstellen. Das Luftbild eines alliierten Aufklärungsflugzeugs zeigt, wie auch die Außenbereiche von Sprendlingen mit Bomben belegt wurden.

 1. Rundbunker im Außenbereich 

Bei einer heimatgeschichtlichen Recherche wurden die Freunde Sprendlingens im Oktober 2013 von einem Bürger auf einen Bunker in Ortsrandlage Sprendlingens hingewiesen. Dies verursachte großes Interesse, da in der lokalen Literatur zu diesen Zeugen der jüngeren Geschichte nichts dokumentiert war. Der Grundstückseigentümer erteilte dankenswerterweise die Erlaubnis, dieses Objekt zu untersuchen, worüber im Folgenden berichtet werden wird. Aus nachvollziehbaren Gründen soll der Standort dieses Bunkers hier nicht genannt werden.


Dieser Privatbunker wurde in der Nähe des  Anwesens einer Sprendlinger  Familie erbaut. Er war nur wenige Meter vom Wohnhaus entfernt, konnte also bei Angriffswarnungen schnell erreicht werden. In der Tat gingen auch in dieser Gegend einige Bomben nieder, die beträchtlichen Schaden anrichteten. Es handelt sich um einen bautechnisch anspruchsvollen Rundbunker, der sich zum größten Teil unter Bodenniveau befindet. Er ist vollständig mit der Aushuberde bedeckt, so dass nur der Eingangsbereich sichtbar ist. Das ganze Areal ist heute dicht mit Bäumen, Unterholz und Brombeerranken bewachsen. Auf älteren Luftaufnahmen ist an dieser Stelle ein flacher Hügel zu erkennen. 

Am Eingang des Bunkers wurde die Böschung durch zwei Reihen von Betonsteinen terrassiert. Der Eingang, der mit einem Eisengitter verschlossen war, musste erst von stacheligen Ranken befreit werden, bevor man die Treppe zur Gasschleuse hinuntergehen konnte. Es handelt sich um eine leicht nach rechts gedrehte Betontreppe, die der Rundung der Bunkermauer folgt. Die linke Wandseite besteht aus Ziegelsteinen. Am Fuß der Treppe lag allerlei Gerümpel: Steinbrocken, Äste, vermoderte Bretter. Erstaunlicherweise befand sich in der ehemaligen Gasschleuse, die durch die beiden eisernen Türrahmen zu erkennen war, ca. ein Kubikmeter zäher, lehmiger Boden. Durch die hintere Türöffnung der Gasschleuse, die  im Winkel von 90 Grad zur Vordertür steht, gelangte man ins Bunkerinnere. Im Taschenlampenlicht war der runde Innenraum mit einer Mittelsäule zu erkennen. Der Bunker stand ca. 80 cm unter Wasser, wobei der Lehm im Vorraum das Eindringen des Wassers in den Treppenbereich verhinderte.

Die Freunde Sprendlingens kontaktierten die Feuerwehr mit der Bitte, den Bunker auszupumpen. Dies war wegen des verschmutzten Wassers leider nicht möglich. Das Wasser wurde dann mit einer kleinen Schmutzwasserpumpe im Laufe zweier Tage abgesaugt. In einem Arbeitseinsatz reinigten Mitglieder der Freunde Sprendlingens das Bunkerinnere von nassen Holzresten, Steinen und Flaschen. Während des Arbeitseinsatzes, bei dem der Lehm aus dem Eingangsbereich teilweise entfernt wurde, fanden sich auch Reste von 8 Gasmasken im Schlamm.  Nachdem ungefähr die Hälfte der zähen Masse entfernt war, wurde die Arbeit unterbrochen, sie erwies sich als sehr anstrengend. Innerhalb der folgenden zwei Wochen stieg der Wasserspiegel wieder auf das alte Niveau an, wobei diesmal auch der Treppenbereich unter Wasser stand. Es ist vorgesehen, die Arbeiten in einer weniger kalten Jahreszeit weiterzuführen.

Im Zuge des  Arbeitseinsatzes wurde der Bunker  vermessen und mit Planskizzen  dokumentiert.  [Schnitt A-A, Schnitt B-B, Schnitt C-C]. Man betritt die Anlage durch eine mit einem Metallgitter gesicherte Öffnung, geht eine zehnstufige Betontreppe hinunter und kommt dann auf einen kleinen Vorplatz, der erforderlich war um die erste Tür der Gasschleuse öffnen zu können. Diese Stahltür ist nicht mehr vorhanden, sie endete wahrscheinlich bei einem Schrotthändler. In der Schleuse selbst und in dem Durchlass durch die Bunkerwand (ca. 1,00 m stark) ins Innere befand sich der oben erwähnte Lehmhaufen (ca. 80 cm hoch). Die hölzerne Füllung der zweiten Tür der Gasschleuse lag auf dem Lehmhaufen und erleichtere somit den Zutritt zum Bunkerinneren. Dieses ist ein runder Raum mit einem Durchmesser von ca. 4,00 m. Die Wandhöhe beträgt ca. 2,00 m. Die Decke ist flachzylindrisch. Sie wird von einer  Betonstütze mit einem Durchmesser von ca. 60 cm getragen. Diese hat augenscheinlich keine konstruktive Verbindung mit dem Betondach. An der Decke erkennt man die radial verlegten Stahlträger mit ausbetonierten, dreiecksförmigen Feldern, die das Bunkerdach bilden. Die Funktion eines Trägers wurde durch Eisenstangen zwischen den beiden  benachbarten Trägern als konstruktiver Wechsel ersetzt. Rechts und links des Bunkereintrittes erkennt man in der Bunkerwand zwei Nischen (b/h/t 0,60 x 1,60 x 0,25 m). Holzreste deuten darauf hin, dass diese als Regale genutzt wurden. Links des Eintrittes befindet sich in ca. 1,80 m Höhe eine runde Öffnung mit einem Durchmesser von ca. 15 cm. Vermutlich diente dies als Belüftung des Bunkers. Auf der rechten Seite ist in der Bunkerwand eine Öffnung ausgespart, die sich konisch nach außen verjüngt. Erde und Steine sind hier eingedrungen. Vermutlich war dies ein "Fenster", das mit einer Stahltür verschlossen werden konnte. Von dieser Stahltüre ist nichts zu erkennen. Von Außen ist diese  Öffnung  nicht zu sehen.  

Gegenüber des Eingangs  befindet sich der Notausstieg. Dieser hat nur eine Höhe von ca. 1,00 m. Hier ist die Tür der Gasschleuse Holz in Stahlrahmen mit Gummidichtung) noch vorhanden. Diese steht offen und lässt sich nicht mehr bewegen. Der Gang durch die Bunkerwand führt in einen Schacht, der mit Steigeisen an der Wand versehen ist. In der Höhe von ca. 1,35 m befindet sich ein Absatz, an dessen Rückwand die zweite geschlossene Tür der Gasschleuse  zu sehen ist. Diese öffnet sich wahrscheinlich zu einem weiteren senkrechten Schacht, der ins Freie führt. Auf der Oberfläche des Bunkerhügels kann man diesen mit Holz und Gummimatten bedeckten Schacht identifizieren. Rechts neben dem Zugang ist ein Lichtschalter, eine Steckdose und weiter oben eine Lampe angebracht. Ein Elektrokabel führt durch die Wand, das Kabelende hängt lose heraus und ist nicht mit der Bunkerelektrik verbunden. Stattdessen wurde durch das o. g. Fenster ein weiteres, metallarmiertes Kabel verlegt, das die Elektrik mit Spannung versorgte.

Es fragt sich, was mit diesem Bunker geschehen soll. Es ist zu hoffen, dass dieses Relikt unserer jüngeren Geschichte erhalten bleibt. Die Chancen stehen dafür gut, da er einer eventuellen Neubebauung des Geländes nicht im Weg steht. Es gibt keinen Grund, die Kosten für seine Beseitigung aufzuwenden. Der Lehm im Eingangsbereich sollte entfernt werden, so dass der Bunker "besenrein" ist. Es hat wahrscheinlich wenig Sinn, mittels einer Tauchpumpe den Bunker ständig trocken halten zu wollen. Es bietet sich eigentlich kein vernünftiges Nutzungskonzept an, außer dass man ihn als Reservoir für die Gartenbewässerung der umliegenden Häuser verwendet. Vielleicht lassen sich auch Fledermäuse ansiedeln. Frösche haben dort bereits ihr Winterquartier bezogen. Um Unfälle bei unbefugtem Zutritt zu vermeiden, sollte eine stärkere Gittertür mit einem Sicherheitsschloss eingebaut werden. Abschließend sei angemerkt, dass nach dem Krieg ein zweijähriges Kind im Eingangsbereich des Bunkers ertrunken sein soll. Möglicherweise wurde daraufhin der Lehm eingebracht, um das Eindringen von größeren Wassermengen in den Bunker zu vermeiden.
Weitere Fotos des Bunkers findet man in einem
Picasa-Album.
Berichterstatter: W. Ott, E. Haller. Abbildungen: Ott, Haller, Archiv Baumbusch, Fraport Archiv / Siegfried Rösch
Erstellungsdatum: 12/2013
 
2. Rundbunker einer Hartmetallwerkzeugfabrik

Mitglieder der Freunde Sprendlingens hörten gerüchteweise, dass es auf dem Gelände der ehemaligen Firma „Hartmetallwerkzeuge Wilhelm Bach“ im Westen Sprendlingens einen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg gegeben haben sollte. Dies war plausibel, denn diese Fabrik war ein kriegswichtiger Betrieb, in dem  spezifische Komponenten von Werkzeugmaschinen für die Rüstungsindustrie hergestellt wurden. Bei den Recherchen stellte es sich heraus, dass dieser Bunker heute noch existiert. 
Das Unternehmen wurde um 1937 gegründet und hatte 1940, als der Bunker erbaut wurde, eine Mitarbeiterzahl von ca. 40 Personen. 1966 wurde die Produktion eingestellt. Die Fabrikationsanlagen wurden abgebrochen und das Gelände mit Wohnhäusern bebaut. Da es zu aufwändig gewesen wäre, den Bunker zu entfernen, wurde er als "Hügelbeet" in den Garten der Anwesen integriert. Im Februar 2014 hatten einige Mitglieder der Freunde Sprendlingens dankenswerterweise die Gelegenheit, den Bunker anzuschauen und ihn zu dokumentieren.

Der Bunkereingang im Garten besteht aus einem mit Natursteinen verkleideten "Treppenhaus", das mit einer Metallgittertür abgeschlossen ist. In dieser Tür sind die Initialen  "WB" für Wilhelm Bach eingeschweißt. Dieses Treppenhaus wurde nachträglich über dem Eingang erbaut; ursprünglich war der Treppenabgang mit einer Falltür verschlossen, wie man sie von Außenkellertreppen kennt. Spuren des Rahmens der Falltür sind noch deutlich zu erkennen. 12 Stufen führen gerade hinunter in einen Vorraum, der als Gasschleuse diente. Die Betondecke ist dort ca. 80 cm dick. Die äußere Stahltür ist noch vorhanden und sehr stark korrodiert, kann deshalb nicht mehr bewegt werden. Am Boden der Gasschleuse befindet sich ein Pumpensumpf mit einer Tauchpumpe, die vom jetzigen Eigentümer installiert wurde um die Anlage zu entwässern. Zum Zeitpunkt des Besuchs stand der Bunker ca. 40 cm unter Wasser. Die innere Gasschleusentür auf der linken Seite des Vorraums ist ebenfalls noch vorhanden und auch stark korrodiert.

Man betritt den Hauptraum des Bunkers nach links durch diese Türöffnung. Der Raum besitzt einen Durchmesser von ca. 4,00 m und eine Höhe von ca. 2,10 m. Die Decke wird von einer Betonrundstütze mit einem Durchmesser von ca. 80 cm gestützt. Die Decke ist waagerecht und (von außen deutlich sichtbar) kegelförmig aufbetoniert. Gegenüber des Eingangs erkennt man die verrostete Stahltür des Notausgangs. Sie lässt sich nicht öffnen. Der Ausstiegsschacht ist von außen nicht zu erkennen, er wurde wohl zugeschüttet. In der Wand links des Eingangs ist GrundrissSchnitteine Nische in der Wand ausgespart. Daneben erkennt man oben an der Wand ein Lüftungsrohr, das mit einem (nicht mehr funktionierenden) Schraubventil verschlossen werden kann. Dieses Rohr führt schräg nach oben durch die Betondecke ins Freie und ist außen im Garten mit einer Blechhaube versehen. Gegenüber dem Lüftungsrohr kommt ein zweites ca. 120 cm langes Rohr senkrecht aus der Decke. Rechts davon sind drei Bretthalterungen einbetoniert. Das Bild rechts zeigt einen Blick auf die Gasschleuse vom Inneren des Bunkers aus gesehen. 
Der Bunker dient heute als Lagerraum, wird aber wenig benutzt, da die Entwässerung nicht zuverlässig funktioniert.
Berichterstatter und Abbildungen: W. Ott, E. Haller, Erstellungsdatum: 2/2014

3. Tonnenbunker in der Darmstädter Straße

GrundrissSchnittEinen ganz anderen Charakter als die beiden bisher beschrieben Bunkeranlagen besitzt ein Privatbunker, der von zwei Familien gebaut wurde, zwischen deren Häuser sich eine Hofeinfahrt befindet. Der Bunker befindet sich direkt unter der Hofeinfahrt und war durch zwei Eingänge vom Keller beider Häuser zugänglich. Nach dem Krieg wurde einer der Zugänge vermauert, so dass der unterirdische Raum nur von dem Keller des westlichen Hauses, zu dem die Hofeinfahrt gehörte, betreten werden kann. An der Wand des östlichen Hauses steht ein Pflanztrog, unter dem sich die Entlüftung des Bunkers befinden soll.

Treppe Vom Keller des westlichen Hauses steigt man eine 12 stufige, nach rechts gebogene Treppe hinunter, bis man unten links in den tonnenförmig überwölbten Bunkerraum kommt. Er ist 3,98 m lang, nur 1,28 m breit und 1,79 m hoch (Mitte des Tonnengewölbes). Auf der gegenüberlegenden Seite erkennt man noch die erste Treppenstufe des zwischenzeitlich zugemauerten Zugangs vom Nachbarhaus. Ein Ventilator in dem Entlüftungsrohr, das ca. 30nach Westen cm Bunkervon dieser Wand  entfernt mittig im Gewölbe nach oben führt, sorgt für den Luftabzug. In Kniehöhe erkennt man zwei Rohre, die möglicherweise für die Zuluft sorgten. Auffällig ist, dass die Zugänge aus beiden Kellern nicht mit festen Türen oder gar Gasschleusen versehen wurden. Der Raum bot Schutz für maximal 20  Personen. Allein die Vorstellung, in einem solchen Raum zu sitzen, während rings umher die Bomben explodieren, ist sehr bedrückend. Der Bunker wurde nach dem Krieg eine Zeit lang als Lagerraum und auch als Weinkeller benutzt. Allerdings dringt manchmal Wasser in den Bunker ein, was die Nutzung stark einschränkt.
Berichterstatter und Abbildungen: W. Ott, E. Haller, Erstellungsdatum: 2/2014


4. Luftschutzraum in einer alten Sprendlinger Gastwirtschaft

In einer alten Sprendlinger Gastwirtschaft gibt es unter einem Nebengebäude einen großen Keller, in dem früher die Apfelweinfässer gelagert wurden. Der Apfelweinkeller war durch einen Gang  unter der Hofeinfahrt vom Keller des Haupthauses zugänglich. Der Besitzer des Anwesens nutzte diesen Gang zur Einrichtung eines Luftschutzraumes, dessen Reste heute noch vorhanden sind.

Wenn man den Keller des Hauptgebäudes betritt, fällt der Blick auf eine geschlossene Holztür, auf der man noch die Aufschrift "Luftschutzraum" lesen kann. Ein Pfeil weist in die Richtung des Verbindungsgangs zum alten Apfelweinkeller. Dieser Gang ist insgesamt ca. 8 m lang, ca. 1,2 m breit und ca. 2,0 m hoch. Vorne und hinten erkennt man je eine Stahlzarge für die Schutztüre des Luftschutzraumes. Beide Stahltüren liegen senkrecht aufgestellt an der Wand des Gangs. Am hinteren Ende führen einige Treppenstufen in den imposanten Gewölbekeller hinunter. Dieser ist ca. 18 m lang, ca. 4 m tief und ca. 4 m hoch. An der Decke befindet sich eine ca. 1,5 x 1,5 m große mit Brettern verschlossene Öffnung, durch die die Fässer herabgelassen wurden. Vor der vorderen Stahlzarge führt links und rechts je ein kurzer Gang rechtwinklig ab, der nach ca. 1 m blind endet. Ob hier eine Verbindung zum Nachbarhaus bestand oder zumindest geplant war? Da der Gang zum Apfelweinkeller erst nachträglich zum Luftschutzraum ertüchtigt wurde, ist zu vermuten, dass Decke des Gangs von oben mit Beton verstärkt wurde. 

Wir verfügen vorerst nicht über eine formale Genehmigung des Hausbesitzers, diesen Luftschutzraum zu dokumentieren, daher konnten wir keine Fotos machen oder die genauen Maße des Raumes aufnehmen. 
Berichterstatter: W. Ott

5. Luftschutzraum in einem Haus in der Poststraße

Tür von innenInnenansichtFluchtgangFluchttreppeIn diesem Haus geht man vom Kellerflur aus durch eine gasdichte Stahltür mit zwei Klemmgriffen in einen verwinkelten, nur ca. 4,5 qm großen Schutzraum. Die Tür ist mit einem verglasten und mit Lochblech geschützten "Türspion" versehen. Es handelt sich bei dem Schutzraum um einen früheren normalen, 2,47 m hohen, Kellerabstellraum, der recht aufwändig zum Schutzraum umgebaut wurde. Die Kellerdecke (vermutlich Beton mit Stahlträgern) ist augenscheinlich nicht zusätzlich verstärkt, was bei der geringen Spannweite auch nicht erforderlich war. Gegenüber der Eingangstür befindet sich das Kellerfenster, das von i
Grundrissnnen durch einen 2 cm Schnittedicken "Stahl-Laden" gasdicht verschlossen werden konnte. Die Stahlplatte sollte die Schutzsuchenden vor Bombensplittern schützen. Unterhalb des Kellerfensters wurde eine Öffnung in die Kelleraußenwand des Hauses gestemmt (Stemmspuren sind zu erkennen) durch die man in den unterirdischen Fluchtgang zum Notausstieg in den Garten gelangen konnte. Die Öffnung ist 115 x 74 cm groß und ebenfalls mit einer gasdichten Tür verschließbar. Hinter der Tür steigt man drei Stufen hinab in den nur 163 cm hohen Fluchtgang. Nach ca. 2,85 m knickt er leicht nach links ab. Nach weiteren 2,85 m wendet er sich erneut nach links, wo eine neunstufige, steile Treppe in den Garten hinaufführt. Der Ausgang ist mit einer einfachen, jedoch mit Winkeln verstärkten Stahltür (stark angerostet) verschlossen. Der Luftschutzraum wurde nach dem Krieg renoviert und dient heute als Abstellraum.   
Berichterstatter und Abbildungen: W. Ott, E. Haller, Erstellungsdatum: 10/2014 

6. Luftschutzkeller in der Schulstraße

GrundrissUnter einer Scheune auf einer Hofreite in der Schulstraße befindet sich ein weiterer Luftschutzraum. Die Scheune wurde gegen 1908 erbaut, der darunterliegende Keller wurde dann wahrscheinlich Anfang der 1940 er Jahre als Luftschutzraum ausgebaut. Die Treppe in den Keller ist außen mit einer blechbeschlagenen Holztür gesichert. Zwei umlaufende Gewebeschnüre aus Asbest sollten zur Abdichtung gegen gefährliche Gase dienen. Die geradläufige Kellertreppe führt in einen ersten Raum (1,59 x1,76 x m), der mit einem offenen Durchgang in einen zweiten Raum (1,93 x 2,60 m) führt. Von dort aus geht ein Notausgangsschacht in den Garten. Dieser ist  ebenfalls außen mit einer blechbeschlagenen Holztür (1,05 x 0,54 m), eingelassen in einen SchulstraßeStahlrahmen, gesichert. In die Schachtrückwand sindSchulstraße Stahlsteigeisen für den Ausstieg eingelassen. Schalungsspuren beweisen, dass dieser Ausstieg nachträglich eingebaut wurde. Die Raumhöhe des Kellers  beträgt 1,85 m. Die Decke (Mauergewölbe auf Stahlträger) wurde möglicherweise durch eine nachträgliche Aufmauerung im Durchgangsbereich stabilisiert. Der Besitzer des Anwesens konnte sich noch daran erinnern, dass bei Fliegerangriffen die Kinder aus der Nachbarschaft auf einem Bett im hinteren Raum saßen, während die Erwachsenen sich im vorderen Raum aufhielten.
Berichterstatter und Abbildungen: W. Ott, E. Haller, Erstellungsdatum: 1/2015 

W
eitere Bunker und Luftschutzanlagen in Sprendlingen 
 

Bunkereingang
Zahnfabrik Bunker in der Zahnfabrik: Auf Anfrage hin bestätigte der Projektentwickler des Zahnfabrik-Geländes, dass es einen Luftschutzbunker gab, der im Rahmen der Baumaßnahmen für das neue Wohngebiet entfernt wurde. Es ist fraglich, ob der Bunker für die Gesamtbelegschaft ausreichend war. Andererseits wurde er nur für relativ kurze Zeit bei Tagesangriffen benötigt. Nach dem Krieg wurde er Lager für die Küchenvorräte benutzt. Die Bilder links stammen von der Website "Industriezerfall.de", Der Autor hat die leerstehenden Gebäude 2006 kurz vor dem Abriss fotografisch dokumentierte: Ein Bild zeigt den Bunkereingang, das andere ein Gittertor im Bunker. Auf dem Werksplan ist zu erkennen, dass er unter der Freifläche südöstlich des Fabrikgebäudes erbaut wurde. Es handelte sich um einen zickzackförmigen gangartigen Schutzraum mit einem Tor an beiden Enden.

PoststraßePoststraßeIn der Poststraße fällt an einem Haus ein Kellerfenster mit einem Eisenrahmen auf. Es liegt nahe, dass es sich um das Fenster eines Luftschutzraumes handelt. Eine Nachfrage bei dem Hausbesitzer bestätigte diese Vermutung. Der Kellerraum ist durch eine gasdichte Stahltür zu betreten. Man muss drei Stufen hinuntergehen, wobei nicht bekannt ist, ob der Kellerboden erst beim Umbau zu einem Schutzraum tiefer gelegt worden war. Der Raum selbst ist unspektakulär, er dient heute als Lagerraum. Eine ähnliche Stahlzarge ist am Kellerfenster eines Hauses in der Liebigstraße zu finden.

Bunker in der Hauptstraße: Auf dem Gelände, das heute unter „Sprendlinger Neue Mitte“ läuft, befand sich während des Krieges die Textilfabrik Steinmeyer, die auch Uniformen herstellte. Für die Belegschaft wurde ein Bunker errichtet, von dem zumindest noch Teile vorhanden sein müssten. Anmerkung 14.2.2015: Frau Spengler, Sprendlingen, bestätigte die Existenz dieses Bunkers, sie hat dort als Kind Schutz gegen Fliegerangriffe gefunden. Die benachbarten Anwohner halfen bei dem Bau dieser Luftschutzanlage, dafür konnten sie außerhalb der Arbeitszeit der Fabrik, d.h. bei Nachtangriffen, die Anlage nutzen. Man ging vom Hof aus eine Treppe hinab. Rechts befand sich der mit Sesseln ausgestatte Privatraum von Steinmeyer, vorne war eine Tür, die zu einem lang gestrechten größeren Schutzraum führte. Der Bunker steckte nicht vollständig in der Erde: ein Teil der Außenwände und die Stahbetondecke war sichtbar.
Bunker am Bahnhof? Aus strategischen Gründen war es sinnvoll,  das Personal, das für die Infrastruktur verantwortlich war, besonders zu schützen. Der Hinweis eines alten Sprendlingers, dass am Bahnhof ein Bunker gewesen sein soll, war daher nicht überraschend.  Wenn man sich den Platz vor dem Bahnhofskiosk  anschaut, fällt auf, dass die Ostseite steil zur Theodor-Heuss-Straße abfällt. Weiterhin erkennt man an der Straße zum Nachbarhaus hin eine treppenartige Abstufung, unter der sich durchaus ein Eingang zu einem Raum  befinden könnte. Es gibt noch weitere Gerüchte. Hier muss noch recherchiert werden.
Unterstand in der heutigen Liebigstraße: Der Schutzraum wurde in den Gärten von drei nebeneinander liegenden Grundstücken auf der Ostseite der damaligen Feldbergstraße per Hand gegraben. Der Zugang erfolgte jeweils von den beiden äußeren Grundstücken über je eine Treppe. Die Decke bestand aus Balken, die links und rechts abgestützt waren. Den eigentliche Schutz der Insassen gewährleistete die relativ starke Erdabdeckung über den Balken. In den 1950er Jahren brach die morsch gewordenen Decke zusammen und der Hohlraum wurde aufgefüllt. Bei dem Bau eines Hauses im Garten wurden die restlichen Balken entfernt.
Bunker in der heutigen Emsstraße: In Nachbarschaftshilfe wurde auf dem Grundstück Emsstraße Ecke Lessingstraße ein Bunker betoniert. Er wurde in den 1950er Jahren beim Bau einer Garage beseitigt.

Die Offenbach-Post berichtete in der Ausgabe von 4.2.2015 über diese Dokumentation der Sprendlinger Luftschutzanlagen.


BuchschlagGrundrissLuftschutzkeller in Buchschlag: Im Zusammenhang mit diesem Bericht erfuhren wir von einem Buchschlager Bürger, dass auf seinem Anwesen ebenfalls ein Luftschutzraum existiert. Dieser wurde als zusätzlicher Raum an den vorhandenen Keller in Richtung Garten angebaut. Im Garten sieht man die rechteckige Betondecke noch 50 cm über das Bodenniveau herausstehen. Der Luftschutzkeller wurde teils mit einem Erker als Wohnraumerweiterung überbaut, dies erforderte für die Bunkerdecke eine statisch aufwändigere Betonkonstruktion. Man erkennt von außen die  BuchschlagAusgänge der Lüftungsrohre, ein Kellerfenster, das mit einer ca. 1 cm dicken Stahlplatte verschließbar ist und den ebenfalls mit einem zweiflügligen Stahlplattenladen geschützte Notausstieg. Der Luftschutzraum ist durch eine in die ursprüngliche Kelleraußenwand hergestellte Türöffnung über zwei Treppenstufen betretbar. Die Tür selbst besteht aus zwei Lagen Holz, die mittig durch eine Stahlblecheinlage verstärkt wurde.  Der Raum hat eine Abmessung von 390 x 410 cm, die Höhe beträgt 226 cm. Der Raum macht durch die aufwändige, statisch notwendige Betondeckenkonstruktion einen verwinkelten Eindruck. Da man den oberirdischen Anbau des Hauses beim Bau des Luftschutzkellers mitplante, wurden die Stellen der Decke, auf denen jetzt die Anbau-Wände ruhen, mit Unterzügen und zusätzlichen Betonstützen abgefangen. Interessant an diesem Objekt ist die Tatsache, dass der Baubericht und die Baugenehmigung von 1941 noch existieren, ebenso die detaillierte Rechnung der ausführenden Baufirma Georg Schäfer 40. aus Sprendlingen. Eine Gesellenstunde wurde mit 1,35 RM berechnet. Die 56 Einzelposten summierten sich auf 2310,80 RM.