So heißt eine Sammlung von lokahistorisch interessanten Informationen, die unser Vorstandsmitglied Wilhelm Schäfer, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Dreieicher Stadtarchivs, aufgesammelt hat.
Im Stadtarchiv wird das Adressbuch des Stadt- und Landkreises Offenbach aufbewahrt. Durch einen Klick auf die Abbildung kann man die Einträge für Sprendlingen hochladen. Interessant sind die Häufungen vom bestimmten Nachnamen wie Schäfer oder Stroh. Es wird in dem Buch über dreißig mal der Name Georg Stroh Stroh erwähnt. Man ordnete Nummern zu den Namen, um die Personen unterscheiden zu können ("Georg Stroh 51."). Weitere häufig benutzt Vornamen waren Philipp und Wilhelm. 1940 hatte Sprendlingen 7855 Einwohner. Am Ende sind die Adressen der NSDAP-Organisationen in der Stadt und im Kreis Offenbach aufgeführt. Hierbei wird die weitverzweigte Struktur dieser Nazi-Organisation deutlich.
Im Haus Hauptstraße 29 neben der Stadt-Apotheke, das 1926 die Sprendlinger Gemeindekasse beherbergte, wohnten einige einkommensschwache Mieter. Und auf dem Grundstück hinter diesem Haus befand sich die Synagoge der israelitischen Gemeinde Sprendlingens. Auf dem Hof vor der Synagoge tummelten sich auch die Bewohner des Vorderhauses und deren Kinder. Das führte natürlich zu Reibereien mit der jüdischen Gemeinde, die sich deshalb bei der Sprendlinger Gemeindeverwaltung beschwerte. Anbei ein von Wilhelm Schäfer transkribierter Schriftwechsel zu dieser Auseinandersetzung. Er befasst sich auch mit dem Plan, für dieses gemeindeeigene Haus und der benachbarten (gemeindeeigenen) Apotheke eine gemeinsame Waschküche zu erbauen.
Im Stadtarchiv wird ein bemerkenswertes Dokument aus dem Jahr 1868 aufbewahrt. Es handelt von "Raubanfällen in dem Wald zwischen Offenbach und Dietzenbach". Ein gewisser Dern soll mit seinen Consortien dort sein Unwesen getrieben haben. Das Großherzogliche Kreisamt verfügte als Maßnahmen gegen drohende Raubüberfalle, dass die Einwohner von Sprendlingen und Dreieichenhain zusammen mit Forstbeamten und der Gendarmerie den Wald auf der Suche nach den Übeltätern durchkämmen sollen. Die Transkription des Dokumentes ist mittels eines Klicks auf die Abbildung aufzurufen. Wie die Geschichte ausgegangen ist, wurde nicht überliefert.
Bei der Koppelweide oder Koppelhute handelt es sich um die Weideberechtigung der zu Frankfurt gehörenden Ortschaften in den umliegenden, meist isenburgischen Wäldern und die der fremden, meist isenburgischen Dörfern im Stadtwald von Frankfurt. Diese Berechtigungen stammten sicherlich aus der Zeit vor 1372, dem Jahr in dem Frankfurt seinen heutigen Stadtwald erwarb. Diese Koppelweide war Anlass von heftigen Streitereien zwischen Isenburg und Frankfurt. Aus Frankfurter Sicht war das verständlich, denn die Bauern aus Sprendlingen, Hain, Götzenhain und Offenbach trieben ihr Großvieh ohne besondere Rücksichtnahme zur Weide in den Stadtwald, der darunter erhebliche Schäden davontrug. Frankfurt versuchte dagegen gerichtlich vorzugehen, was aber misslang, weil die Koppelweide als uraltes gültiges Recht angesehen wurde.
Im Stadtarchiv Dreieich wird ein Urteil des Reichsgerichtes in Wien aus dem Jahr 1774 aufbewahrt, in dem es um diese strittigen Weiderechte ging. Wilhelm Schäfer hat dieses Dokument transkriptiert. Der Inhalt:
Die Reichstadt Frankfurt verklagte den Fürsten Wolfgang Ernst zu Ysenburg und Büdingen sowie die Gemeinden Offenbach, Sprendlingen, Hayn und Götzenhayn,
wegen Aufhebung der gemeinsamen Weidenutzung (Compascuum). Das Gericht hat nach Prüfung des Vorbringens der Parteien und unter Würdigung der Sachlage am 22. August 1774 zu Wien entschieden, dass
die Klage auf Aufhebung der gemeinsamen Weidenutzung abgewiesen wird und dass die Kosten des Verfahrens gegeneinander aufgehoben werden.
Die früher enorm wichtige Waldweide verlor ihre Bedeutung mit der Einführung der Stallfütterung. Trotzdem beharrten die betroffenen Gemeinden konsequent auf ihren überlieferten Rechten. Erst 1923 kam es zu einem Vergleichsvertrag zwischen Frankfurt und Sprendlingen, in dem Frankfurt und Sprendlingen gegenseitig auf die obsolet gewordenen Weiderechte verzichten. Sprendlingen hat für sich bei dem Vergleich noch ein Raummeter Buchenscheitholz herausgeschlagen.
Als 1956 die Wohnstadt Hirschsprung geplant wurde, lief das Projekt unter der Bezeichnung "Die Neue Wohnstadt "Roter Hirsch". In dem aufrufbaren Dokument sind auch die damaligen Häuserpreise festgehalten: 33.000 DM für ein Reihenmittelhaus. Das waren noch Zeiten!
Hier ist ein Beschwerdebrief des Pfarrers Scriba aus dem
Jahr 1891 über einen Ausflug der Freiwilligen Feuerwehr am Himmelfahrtstag (XII, 1, 1, 36) aufzurufen. Die Transkription besorgten Wilhelm Schäfer und Wolfgang Deißler.
Die "Sterna-Company" aus Sprendlingen. Frankfurt aM (Eis-Cremes, Gefrorenes, Puddings, s. auch Produktprogramm) ist in der heimatgeschichtlichen Literatur nicht beschrieben. Ein in Sammlerbesitz befindliches Werbeplakat war Anlass, im Staatsarchiv Darmstadt nachzuschauen: Die Sterna-Company Fritz Haug und Co. wurde am 1.11.1910 als Eiskonservenfabrik Sprendlingen angemeldet. Der Firmensitz wurde am 1.3.1913 nach Frankfurt verlegt. Der Firmeneintrag wurde Ende September 1913 gelöscht. Interessant ist die Tatsache, dass das üblicherweise als "Wienand-Villa" bezeichnete Anwesen in der Eisenbahnstraße im Besitz von Fritz Haug war.
Nicht aus dem Stadtarchiv, sondern aus einem Nachlass stammt das Dokument: "Vergleich der Gemeinde Sprendlingen mit dem Fürsten von Isenburg-Birstein über die Holz- und Laubgerechtsame" aus dem Jahr 1848. Es liegt in gedruckter Form (bitte auf das Bild klicken) vor, was darauf hindeutet, dass es für die Ortsgeschichte von Sprendlingen nicht ganz unbedeutend ist. Wir werden uns in absehbarer Zeit intensiver mit dem Dokument beschäftigen.
HIER ist ein Bericht über die Einweihung des neuen Klärwerks im Mai 1954.