Die Theisenmühle


Hier folgt ein Artikel, der am 14.03.2018 in der Offenbach-Post erschien (jrd). Er beruht u.a. auf einer Ausarbeitung von Helmut Keim, Götzenhain. Der geschichtliche Hintergrund der Theisenmühle wird ausführlich in der Monografie "Theisenmühle" (bei den Freunden Sprendlingens einsehbar) von Heinrich Runkel abgehandelt.


Die Theisenmühle wird ursprünglich auch Klostermühle genannt. Nach frühen Recherchen des Sprendlinger Pfarrers Heinrich Schmidt schenkte der Ritter Heinrich von Heusenstamm am 2. Februar 1276 „dem Kloster Padenhausen 9/8 Korn von einer Mühle zu Sprendlingen“. Zudem heißt es: „Im Jahre 1276 übergaben Heinrich von Heusenstamm und seine Ehefrau Agnes dem Kloster Padershausen ihre Mühle in Sprendelinger Termeney gelegen“. Betrieben wurde sie von Müllern aus Heusenstamm und Mönchen des Klosters. Ursprünglich dehnte sich der Heusenstammer Wald, zu dem auch das Gebiet gehörte, auf dem die Patershauser Klostermühle stand, bis nahezu an Sprendlingen aus. Um 1420 wird erstmals der Name eines Müllers dokumentiert. Er soll Cuncze geheißen haben, weshalb die Mühle zu dieser Zeit „Cuncz Molners Moln“ genannt wird. Sie gehört da bereits zum Herrschaftsbereich der Grafen zu Isenburg.

Der Name Theisenmühle erscheint erst 1787 in Aufzeichnungen zur Mühle, wie Karl Nahrgang herausgefunden hat: Im Zusammenhang mit der Eigentumsübertragung zwischen dem Kloster Patershausen Heusenstamm und Sprendlingen soll im Jahr 1787 ein gewisser Herr „Theiß“ eine entscheidende Rolle gespielt haben: Er hat damals scheinbar für das Kloster Patershausen den Übergabenvertrag der Mühle an Sprendlingen unterschrieben.

Insofern ist es kein Wunder, dass der Name „Theiß“ in den Nahrgangschen Forschungsergebnissen zu Korrespondenzen über Steuern in den Jahren 1772, 1782 und 1787 erscheint. Dies wäre eine Möglichkeit der Entstehung des Begriffes „Theisenmühle“. Vermutungen des Sprendlinger Pfarrers Hermann Schmidt gehen hingegen dahin, dass zwei Sprendlinger Bürger – Conradt Theiß um 1608 und Conrad Dies im Jahr 1619 –, die auf der Sprendlinger Steuerliste standen, die Urheber der Mühlenbezeichnung gewesen sein könnten.

Weniger verworren als die Namensfrage und die Besitzverhältnisse ist die Geschichte der Betreiber der Mühle. Schon in einer alten Namensliste Sprendlinger Bürger um 1521 wird Peter Müller als Müller genannt. Er könnte es gewesen sein, der den Grundstein der langen Tradition der Familie Müller auf der Theisenmühle gelegt hat. Um 1645 wird Johannes Müller, der Woogmüller, in Sprendlingen geboren. Er stirbt im Jahre 1715 in Sprendlingen.

Später ist die Familie Müller dann offenbar nicht bloß Betreiber, sondern auch Besitzer der Mühle. Sie holen bei den umliegenden Bauern das Korn ein, mahlen es und beliefern dann die Bäcker in der Stadt. Aufzeichnungen zufolge wurden den Müllers in der Zeit des ersten Koalitionskrieges (1792 bis 1797) zwischen Österreich und Preußen gegen Frankreich schwere Schäden durch die Einquartierungen der Truppen zugefügt. Die Kriegsjahre scheinen nicht das einzige Problem gewesen zu sein, denn die Müller an den Hengstbachmühlen waren sich offenbar untereinander nicht ganz grün: Von den vorgelagerten Mühlen am Hengstbach – der Holz-, Winkels- und Kreuzmühle – soll der Theisenmühle manchmal buchstäblich das Wasser abgedreht worden sein. Das ist zumindest der Inhalt einer historischen schriftlich überlieferten Klage von Philipp Müller VI.

Trotzdem bleiben die Müllers Besitzer der Mühle. Aus Langen wird im Jahr 1843 berichtet: „Als im gleichen Jahr der Langner Müller Johann Conrad Wettengel starb, übernahm sein Schwiegersohn, ein gewisser Martin Müller, der die Tochter Marie-Christine des Müllers Johann Conrad Wettengel geheiratet hatte, die Wettengelsmühle.“ Martin Müller stammt von der Theisenmühle, wie in einem Band der „Landschaft Dreieich“ nachzulesen ist.

Anfang des 20. Jahrhunderts wird der Weiher noch vergrößert, um eine höhere Antriebskraft der Mühle zu erreichen. Nach 1910 wird der Antrieb von Wasser auf Diesel umgestellt, später auf Elektrobetrieb. In der Nachkriegszeit renoviert die Familie Müller unter Heinrich Müller die Mühle, baut sie teilweise um. Am 9. März 1967 eröffnet sie ein Lokal: das Café und Restaurant zur Theisenmühle, in dem die Kinder mithelfen. Bis 1969 betreiben die Müllers die Mühle noch parallel, dann konzentrieren sie sich auf den Restaurantbetrieb, der im Februar 1986 eingestellt wird. Schließlich verkauft die Familie Mühle und Gelände an einen Isenburger Architekten. 

 

Am 23. Oktober 1986 wird die Theisenmühle dann in einer „Nacht- und Nebelaktion“ abgerissen – zum Entsetzen und Ärger vieler Sprendlinger. Auf dem Areal entstehen Wohnhäuser. Damit nimmt auch die lange Geschichte der sechsten und letzten Mühle entlang des Hengstbachverlaufs ihr Ende. (jrd)

Freibad Theisenmühle
Heinrich Runkel

 

Am 4. Juni 1892 wurde in Sprendlingen das erste Freibad, das Volksbad, wie es genannt wurde, eröffnet. Der Sanitätsverein hatte es auf Anregung des Sprendlinger Arztes Dr. Becker bei der Theisenmühle am Hinterbach, d.h. an dem Hengstbachlauf, der den Weiher umfließt, eingerichtet. Es gab zwei kleine Häuschen zum Unkleiden. Das Bad soll guten Zuspruch gehabt haben. Um 1904/05 ging es aus nicht mehr bekannten Gründen ein.

 

Etwa 1907/08 hat der Theisenmüller Philipp Müller XI. die Initiative ergriffen und ein Freibad im Weiher eingerichtet mit abgegrenztem Nichtschwimmerteil und Ausschwimmöffnung in den übrigen Weiher, mit 3 m-Sprungbrett. Auf dem seitlichen Terrassenabsatz befanden sich die Umkleidekabinen. Es soll bis zum Ende des ersten Weltkriegs bestanden haben.