Militärischer Stützpunkt der Alemannen?
In der wilden Völkerwanderungszeit drangen germanische Stämme im Rhein-Main-Gebiet ein. Sie verdrängten ab 260 n.Chr. die Römer und gründeten neue Siedlungen. Sprendlingen soll in dieser Zeit entstanden sein, vielleicht zunächst als militärischer Stützpunkt (L. Oster), später dann als Ringdorf rund um den Lindenplatz. Ab 600 n. Chr. übernehmen Franken die Verwaltung und vermischen sich mit den Ureinwohnern.
Heidnischer Grabkult
Aus den allerersten Phasen dieser Dorfgründung stammen die oben zu sehenden Grabfunde von besonderem Reiz: alemannische Keramikkrüge und -schalen, sowie eine Wurfaxt (Franziska) und Lanzenspitzen aus der Frankenzeit. Zeugnisse einer heidnischen Kultur, als man die Toten noch mit Beigaben von hoher Bedeutung ausstattete.
Mehr zu den Artefakten und Fundstellen zeigen wir im folgenden VIDEO:
Gab es weitere heidnische Kultorte?
Bis ins 8. Jahrhundert waren die Siedler und Bauerndörfer in unserer Region heidnisch geprägt. Bisher fehlen außer den Grabfunden dafür archäologische Nachweise. Einige Kultorte können wir jedoch aufgrund von Flur- oder Wegenamen lokalisieren und diese in einem größeren germanisch-religiösen Kontext deuten.
Helljesbaam - Der heilige Baum?
Am Ortsrand am Herrnröther Weg muss es in den alten Zeiten einen Kultbaum gegeben haben. Dort finden wir einige Grundstücke mit der Bezeichnung "Hergottsbaum". In mittelalterlichen Urkunden heißt die Stelle Helljesbaam, also Heiliger Baum. Sogar Heilige Gärten soll es in diesem Gebiet gegeben haben. Heimatforscher Karl Nahrgang geht davon aus, dass dies auf einen vorchristlichen Baumkult zurückgeht. Da die Alemannen durchaus kriegerisch unterwegs waren und Thor verehrten, dürfen wir uns hier vielleicht sogar eine Donareiche vorstellen.
Im Zuge der Christianisierung wurde der Kult sicherlich verboten oder vielleicht wurde ein christlicher Bildstock davor aufgestellt. Im kollektiven Gedächtnis blieb die Erinnerung bis heute im Flurnamen erhalten. Eine kleine KI-Phantasie zu einem Baumkult soll uns beim Hineindenken in die Vergangenheit unterstützen.
Der Helljesstock - EIn Götterbildnis?
Der Helljes- oder Heiligenstock soll an der Ecke Alberus-/Herrnröther Straße gestanden haben. Jene Straße, die zum Helljesbaam führte. Bildstöcke kennen wir aus katholischen Gegenden, wo die Holzskulpturen meist Heilige, Maria oder Jesus darstellen.
Da der Sprendlinger Stock Helljes genannt wurde, war es mit ziemlicher Sicherheit für einen Heiligen gedacht. Sehr oft hatten diese frühen christlichen Kultorte jedoch einen heidnischen Vorläufer.
Die KI hat uns hier einen möglichen heidnischen Bildstock imaginiert. Die Zeichen und Zierelemente, die die KI verarbeitet hat,orientieren sich an einem Eckpfeiler eines Fachwerkhauses in unmittelbarer Nähe in der Darmstädter Straße.
Die Lach - Der Lacheweg - Ein Opferplatz?
Im Altgermanischen bezeichnet lach eine Wasserstelle, wir kennen den Begriff auch heute noch: Wasserlache. Jedoch wurden mit dem nahe verwandten loah oder loach auch Opferstätten in Moor, Sumpf oder Feuchtwiesen bezeichnet.
Archäologisch müsste dieser Zusammenhang natürlich erst noch bewiesen werden. Im Bereich der Lach ist dies nicht einfach, da es durch ein Wohngebiet und die Fußballfelder des FV 06 schon in einigen Bereichen überbaut ist. Eine KI-Imagination greift die Idee der Opferlache fiktiv auf.